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Mittwoch, 25. Januar 2006
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25. Januar 2006, Neue Zürcher Zeitung

Kritik an Reform der Rechtschreibreform
Offener Brief an die EDK und Rückweisungsantrag des Lehrerverbands

Die deutsche Dominanz bei der Nachbesserung der Rechtschreibreform löst in der Schweiz harsche Kritik aus. Der für die Umsetzung der neuen Regeln wichtige Lehrerdachverband fordert die EDK gar auf, die Geschäftsbeziehungen zur Kultusministerkonferenz zu überprüfen.


hag. Die im deutschen Sprachraum unterschiedlich scharf kritisierte Rechtschreibreform kommt auch in der Phase der offiziellen Nachbesserung nicht aus den Schlagzeilen. Wichtige in den Reformprozess involvierte schweizerische Institutionen wie etwa der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) oder der Sprachkreis Deutsch (SKD) melden in Vernehmlassungsantworten nicht nur bezüglich der Inhalte der Nachbesserung schwere Bedenken an. Sie kritisieren auch die angebliche Arroganz und Dominanz des federführenden Rats für deutsche Rechtschreibung (RfdR), der von der deutschen Kultusministerkonferenz als Koordinationsorgan bei der Überarbeitung der Reform eingesetzt wurde. Im 38-köpfigen Rat sitzen 18 Vertreter aus Deutschland, je 9 aus Österreich und der Schweiz, je einer aus Liechtenstein und Südtirol und demnächst noch ein Mitglied aus Deutsch-Belgien.

Vernehmlassung nur über Weihnachten
In seiner Stellungnahme kritisiert der LCH zum einen die viel zu knapp bemessene Vernehmlassungsfrist - sie wurde vom RfdR nur über die Festtage angesetzt - und kritisiert schärfstens, die Schweizer Delegation sei in den bisher 7 Sitzungen vom RfdR-Vorsitzenden häufig gemassregelt worden. Anträge der Delegation bezüglich Strukturierung einer Projektarbeit, die diesen Namen verdient hätte, seien fortgesetzt ignoriert, kleingeredet oder überstimmt worden. Daher und weil die Reformvorschläge des RfdR elementare Erwartungen der Schulen nicht erfüllten, verlangt der LCH, dass die Pflege der Rechtschreibung grundlegend neu und professionell geordnet werde und legt der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) gar nahe, in der Rechtschreibfrage die Geschäftsbeziehungen zur deutschen Kultusministerkonferenz zu überprüfen.

Diese gegenüber dem ursprünglichen Placet zur Reform jetzt erfolgte Verweigerung des LCH ist brisant, denn letztlich ist die Schule die wichtigste Institution beim Umsetzen neuer Reformänderungen. EDK-Präsident Ulrich Stöckling erhält zudem weitere Post in Form eines offenen Briefes. Absender ist der Sprachkreis Deutsch, zusammen mit Mitunterzeichnern wie Peter Müller, Direktor Marketing & Informatik der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA), Men Haupt, Präsident des Buchhändler- und Verlegerverbandes, oder auch Filippo Leutenegger, Nationalrat und CEO der Jean Frey AG.

Marschhalt gefordert
Im Brief wird der EDK-Präsident darauf hingewiesen, die deutschen Kultusminister hätten eingestanden, «dass die Rechtschreibreform falsch war» (Erste Ausgabe 2006 des «Spiegels»). Die Unterzeichner erinnern auch an die verursachten und anstehenden Kosten der Reform und verlangen einen Marschhalt. Sie fordern von der EDK eine längere Vernehmlassung zu den Ratsempfehlungen, die wissenschaftliche Überprüfung des ganzen Regelwerks, die Auswechslung der Schweizer Delegation im RfdR und ein Moratorium, wie es der Kanton Bern verfügt hat. Die Absichtserklärung, die die Schweiz 1996 unterzeichnet habe, verpflichte zu nichts. EDK-Generalsekretär Hans Ambühl, ebenfalls Mitglied der Schweizer Delegation, zeigte gegenüber der NZZ ein gewisses Verständnis für die Kritik. Auch er erachtet die von der Kultusministerkonferenz angesetzte Vernehmlassungsfrist als viel zu kurz und bedauert sehr, dass seit Einsetzung des RfdR die Rechtschreibreform stark verpolitisiert worden sei, was Sachlichkeit erschwere. Er kritisiert auch, dass die nun geplanten Anpassungen vom ursprünglich geplanten vereinfachten Regelwerk wegführten und die Schule zwingen würden, fast nur noch Einzelfälle und Ausnahmen zu lehren.

Sorge der EDK
Dass indes kleine Länder wie die Schweiz oder Österreich noch den nötigen Druck auf die deutsche Kultusministerkonferenz aufbauen können, bezweifelt Ambühl. Die Sorge ist begründet. Bereits Anfang März möchte die Kultusministerkonferenz die umstrittene Reform der Reform definitiv verabschieden.

Quelle: NZZ online

Da sag ich nur: no comment!


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